Fächerübergreifender Leistungsnachweis FOS12: VWL-Debatte 

Innovative Prüfungskultur an der beruflichen Oberschule

Ziel: 

Die SchülerInnen debattieren in vierer Gruppen über das volkswirtschaftliche Thema „Soll in Deutschland eine Vermögenssteuer eingeführt werden?“. Der Ablauf der Debattenprüfung orientiert sich am Wettbewerb „Jugend debattiert“. Eine Woche vor der Prüfung erhält jede Gruppe die Themenfrage, vier mögliche pro und kontra Rollen (Beruf, Einkommens- und Vermögenssituation) sowie fundiertes Material, um sich entsprechendes Hintergrundwissen anzueignen. Zum Zeitpunkt der Prüfung erfahren die SchülerInnen dann, welche der vier Rollen sie einnehmen müssen. 

Dadurch fördert der Leistungsnachweis die vier K’s – Kommunikation, kritisches Denken, Kollaboration und Kreativität (vgl. OECD Future of Education and Skills 2030 Project) – und erhöht durch die interaktive Lernaktivität die Wahrscheinlichkeit der gedanklichen Durchdringung und damit des Lernerfolgs um ein vielfaches (vgl. ICAP Modell nach Chi und Wylie, 2014). 

Projektdetails: 

Mit dem Leistungsnachweis wird in beiden Fächern die Kurzarbeitsnote ersetzt.  

Die Idee hinter dem zur Verfügung gestellten Material zur Vorbereitung der Rollen: die SchülerInnen verschwenden keine Zeit gute (und korrekte) Quellen zu suchen. Sie können ihre gesamte Kapazität auf die tiefgründige Vorbereitung des Themas und der Perspektiven der Diskussionsteilnehmer verwenden. Die in den Vorstunden vorentlasteten theoretischen Konzepte können nun auf konkrete Praxisbeispiele angewendet werden. 

Ablauf der Debatte: Eröffnungsreden (2min pro Person) – freie Aussprache (10min) – Zeit zur Vorbereitung der Synthese (3min) – Synthese Pro/Kontra (3min pro Seite).  

Bewertung: 

Der Bewertungsbogen in Deutsch orientiert sich am Wettbewerb „Jugend debattiert:“ Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit, Überzeugungskraft, Struktur der Debatte. 

Die Bewertungskriterien in VWL waren fachliche Richtigkeit, fachliche Tiefe, fachliche Präzision und Verwendung von Fachbegriffen, Verknüpfung von Theorie und Praxis (Rolle). 

Schulische und organisatorische Rahmenbedingungen: 

In beiden Fächern sind fünf Doppelstunden zur Vorbereitung notwendig. Es lohnt sich auch die vorbereitenden Übungsdebatten in den Deutschstunden bereits mit wirtschaftlichen Themen und Rollen durchzuführen, damit die SchülerInnen ein Gefühl dafür bekommen. 

Der Tag der Prüfung muss für beide PrüferInnen geblockt werden: es empfiehlt sich nach der Hälfte der zu prüfenden Gruppen eine längere Pause zu machen, da nach drei bis vier Debattenprüfungen die Konzentration stark nachlässt. Kein kollektiver Unterrichtsentfall für die Schülerinnen, jede Gruppe ist nur für ihren jeweiligen Prüfungsslot befreit. 

Evaluation: 

Die SchülerInnen kannten das Prüfungsformat Debatte bereits aus der 11. Klasse, lobten aber explizit das neue fächerübergreifende Format, da sie durch die fachliche Vorbereitung in VWL wesentlich tiefer im Thema waren. Auch die Lehrkraft und die Noten bestätigen die stattgefundene Progression in allen Bereichen. Entsprechend bietet es sich an, die Debattenprüfung künftig in der 11. und 12. Klasse fächerübergreifend durchzuführen, wobei sich neben Deutsch jedes Nicht-Prüfungsfach dafür anbietet, ob geistes-, natur- oder wirtschaftswissenschaftlich. 

In VWL entsprach der Notendurchschnitt dem einer traditionellen Kurzarbeit, wobei es keine Ausreißer nach unten gab, was für Projekt-LNW normal ist.  

Es ist wichtig, dass die beiden Lehrkräfte sich einig sind, wie viele Argumente vorbereitet werden sollen. Wenige tiefgründige, statt viele oberflächliche Argumente sollte natürlich grundsätzlich das Ziel sein. 

Veränderungsideen: 

In einem zweiten Projektdurchlauf im kommenden Schuljahr, werden die SchülerInnen nicht mehr die Rolle einer Person (z. B. Landwirt, Privatier, …) einnehmen, sondern als Interessensvertreter agieren. Dadurch bleibt der Anspruch Zahlen und Fakten interpretieren zu müssen, aber die SchülerInnen müssen keine Denkkapazität auf das „in eine Rolle schlüpfen“ verschwenden. 

Es gäbe auch die Möglichkeit am Tag der Prüfung noch Material auszuhändigen, für das die SchülerInnen dann zwar mehr Vorbereitungszeit zur Interpretation brauchen, dieses aber andererseits in der Prüfung verwenden können.  

Die Zeit pro Eröffnungsrede auf eine Minute pro Person reduzieren, dafür die freie Aussprache auf 12 Minuten erhöhen. 

Den Termin der Deutsch-Schulaufgabe vor den Termin der Debattenprüfung legen, damit die SchülerInnen die Synthese zumindest schriftlich schon geübt haben und sich so mit der mündlichen Synthese leichter tun. Der Debatten-Termin könnte ja sogar erst kurz vor Notenschluss des 1. Halbjahres stattfinden (geringe LNW-Dichte im Jan/Feb), da keine langwierige Korrektur folgt.  

Wer hat’s gemacht? 

Dieses Projekt wurde im Herbst 2024 von Felix Heindl (VWL) und Angela Götzfried (D) an der Therese-von-Bayern FOS/BOS für Wirtschaft in München konzipiert, durchgeführt und evaluiert. Die Therese-von-Bayern Schule ist eine der beiden FOS/BOS Schulen, die Teil des Schulversuchs Prüfungskultur innovativ sind. Wenn Sie Fragen zum Projekt haben, wenden Sie sich gerne an uns Berater digitale Bildung, wir beantworten Ihre Fragen, lassen Ihnen Material zukommen und stellen ggf. den Kontakt her. 

Für mehr Informationen, kontaktieren Sie uns:
mBdB K. Spirk: Kontakt
iBdB K. Dirnberger: Kontakt